DE | EN | UK

Kuhglocken

Tage 36–44 — Soil and Peace — Carpathian Dispatch

Kuhglocken

Kuhglocken, und unter ihnen die Stille.

Wiese und Wald wissen nicht, dass sie eine Hausapotheke sind. Wilder Thymian, Flockenblume, Schachtelhalm, Wilde Möhre — und hinter ihnen all die, die ich noch nicht benennen kann. Auch Pilze, jene, deren Kräfte die alten Kulturen kannten. Ein Erste-Hilfe-Kasten, der sich selbst aussät. Eine Landschaft, die behandelt, was kein Kasten erreicht.

Sie ist auch ein Klassenzimmer, ein Prüfstein für das eigene Können und die Geduld der Erwachsenen, ein Ort zum Sitzen, bis das Feuer heruntergebrannt ist.


Es gab Tage, da waren die Kuhglocken nicht zu hören — Kinderlachen und Stimmen darüber: Spielen, Meckern, Schreien.

Wir haben gearbeitet und sind gewandert. Wir saßen am Feuer und tauschten das wenige Englisch und das wenige Ukrainisch, das wir hatten. Am Ende besaß jeder mehr von beidem als am Anfang.

Wir waren uneins. Wir fanden Lösungen.

Wir aßen die beste Wassermelone der Ukraine. Cherson-Melonen, gewachsen nahe der Front, unter Drohnen.

Ein Künstler kam und zeigte neue Techniken. Jeder hatte etwas, das er konnte, etwas, das er liebte — Superkräfte nannten wir das.

Dreimal fanden Kühe aufs Gelände. Dreimal wurden sie zurück auf ihre Weide gebracht. Die Ziege des Nachbarn musste gemolken werden; reihum wurde das Melken gelernt. Das Trinken war beliebter als das Melken.


Jetzt hält die Wiese die Stille.

Твердий змуруємо гостинець і за нами
Прийде нове життя, добро нове у світ.

Wir mauern fest den Weg, und nach uns
kommt neues Leben, neues Gut in die Welt.

— Iwan Franko, „Kamenjari"

Das neue Leben kam in die Berge, legte Steine auf einen Weg und fuhr nach Hause.

Sind wir Steinbrecher?


Days 36–44 — Aufbau — Soil and Peace
Verkhovyna, Carpathian Mountains, Ukraine
© 2026 Michel Garand | Soil and Peace | CC BY-SA 4.0
stewardship@ubec.network