Mehr Steine
Tag 44 — Soil and Peace — Carpathian Dispatch
Der Weg nimmt Steine. Er hat sie den ganzen Sommer genommen — flache für die Tritte, gebrochene für die Füllung, heraufgetragen von dort, wo der Hang sie abwirft.
Die Hände, die sie weiterreichten, waren nicht alle meine.
More stones. More stones. Es begann als Scherz. Dann war es ein Sprechgesang. Dann war es einfach die Arbeit.
Hoch über dem Tal spaltet sich der Fels. Ein Korridor aus Stein, Moos auf den schattigen Flächen, Fichtenwurzeln halten den Rand. Der Pfad hindurch ist loses Geröll und Wurzelwerk.
An einer Wand eine Ritzung. Zwei Kreise, verbunden. Darunter eine Jahreszahl: 1910.
Ivan Franko verbrachte seine Sommer in Kryworiwnja, dem nächsten Dorf flussabwärts. In genau diesen Jahren ging er durch diese Berge. Ob die Ritzung seine Hand ist oder die Hand eines Menschen, der seinetwegen hinaufstieg — das Tal erzählt sie als seinen Besuch.
Er schrieb ein Gedicht über Steinbrecher — Männer, die eine Straße durch den Fels brechen, damit andere nach ihnen darauf gehen. Sein Grab trägt den Steinbrecher, nicht den Dichter.
Твердий змуруємо гостинець, і за нами
Прийде нове життя, добро нове у світ.
Wir mauern die harte Straße, und nach uns
kommt neues Leben, kommt neues Gut in die Welt.
Der Weg unten ist fast belegt. Er weiß nicht, wessen Hände ihn gelegt haben.
More stones.
Day 44 — Aufbau — Soil and Peace
Verkhovyna, Carpathian Mountains, Ukraine
© 2026 Michel Garand | Soil and Peace | CC BY-SA 4.0
stewardship@ubec.network